22 Dez

Weihnachtsbrief des Schulleiters 2021

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Eltern!

Wenn ich im letzten Weihnachtsbrief am Ende ein “unbeschwerteres Jahr 2021” gewünscht habe, dann kann ich immerhin feststellen, dass es das insgesamt war: Nicht nur, dass das Gefühl des Ausgeliefertseins, der Machtlosigkeit angesichts einer körperlichen Bedrohung durch die Möglichkeit des Schutzes durch eine Impfung abgeschwächt worden sind – jedenfalls für die meisten von uns oder, noch wichtiger, für die Schwächsten, Bedrohtesten in unseren Familien, für die man ja Verantwortung trug und trägt. Auch in der Schule ist es nach der entbehrungsreichen Phase des Home-Schoolings seit der Wiederaufnahme des Unterrichts bergauf gegangen: Selbst wenn man nicht immer alles gut finden musste, was an Rahmenbedingungen durch die Politik vorgegeben wurde, so war es doch insgesamt verlässlich. Was als rote Linien angekündigt wurde, vor allem das Festhalten am Präsenzunterricht, haben wir umsetzen können.

Aber nicht nur das: Es regen sich selbst unter diesen, zuletzt wieder erschwerten Umständen überall zarte Pflänzchen dessen, was Schule neben dem Unterricht ausmacht und lebens-, wenn nicht sogar liebenswert macht: Wir haben uns wieder auf Klassenfahrten und Exkursionen begeben, wir haben Sportturniere veranstaltet, wir hatten Klassenfeste und Übernachtungspartys, Mathe-Olympiade, Vorlesewettbewerb, Klassensprechertraining, Lange Nacht der Mathematik… und blickt man nur auf die letzten Wochen zurück, so gab es mit dem Konzert im Ratzeburger Dom, der „Bühne frei“-Veranstaltung am letzten Freitag und der Weihnachtsfeier für die Sextaner und Quintaner noch ein paar Highlights, die unsere LG ausmachen und wo man spüren konnte, mit wie viel Herzblut und Beteiligung solche Elemente von Schulkultur begleitet werden.

Richten wir den Blick aufs neue Jahr, besteht die wesentliche Hoffnung darin, auf diesem Weg fortschreiten zu können: Unterricht in Präsenz und die Realisierung von Möglichkeiten außerunterrichtlicher Angebote. Dass wir dabei nicht aus den Augen verlieren dürfen, dass es gleichzeitig und noch sehr lange um die Aufarbeitung von entstandenen Defiziten gehen muss, sei auch an dieser Stelle noch einmal betont. Diese Defizite sind nicht nur fachlicher Natur, sondern beziehen sich auch auf den pädagogischen Bereich, auf das soziale Miteinander, das gemeinsame Verantwortungsbewusstsein. Einiges hat durch das Getrenntsein zwangsläufig Schaden genommen. Auch hier möchten wir im nächsten Jahr verstärkt ansetzen. Aus der Vorgabe des Bildungsministeriums zum „Lernen aus der Pandemie“ hat eine Arbeitsgruppe konkrete Vorhaben für die Zukunft abgeleitet, die sich z. B. eben auch auf erlebnispädagogische Bausteine oder auf das soziale Miteinander stärkende Aktionstage erstrecken. Diese Vorschläge sollen auf einem Schulentwicklungstag am 04.02.2022 weiter besprochen und konkretisiert werden, um sie, zumindest teilweise, noch im laufenden Schuljahr zur Anwendung zu bringen.

Eine weitere Herausforderung besteht in der Digitalisierung der LG. Dass in diesem Schuljahr das Erproben verschiedenster Formate möglich sein soll, heißt nicht, dass in Zukunft jeder machen kann, was er will. Vielmehr geht es darum, sich auf Verfahren, Möglichkeiten und Mediennutzungen zu verständigen, die niemanden ausschließen, aber die Bandbreite unterrichtlicher Möglichkeiten vergrößern. Dass an diesem Prozess auch Schülerinnen und Schüler entscheidend mitwirken, hat sich auf der letzten Schulkonferenz gezeigt, als die Beiträge aus dieser Gruppe stärkste Beachtung fanden.

Auf der anderen Seite gibt es auch Dinge, die wir notgedrungen in den Hintergrund treten lassen müssen: die Einführung des Kabinettsystems, die Entwicklung nachhaltiger Projekte wie Mülltrennung oder „Gesunde Schule“ werden erst verspätet wieder in den Fokus treten, nämlich dann, wenn gewährleistet ist, dass Kontinuität nicht nur eine Hoffnung, sondern Gewissheit ist.

 

Eines ist Immerhin gewiss: Weihnachten steht vor der Tür und damit das Fest der Hoffnung und der Wünsche! Ich hoffe und wünsche mir deshalb, dass für Sie und euch Tage der Fröhlichkeit, der Besinnung, des Innehaltens möglich sein werden! Wir blicken gemeinsam zurück auf ein Jahr, das extrem herausfordernd war, das aber im wahrsten Sinne des Wortes auch lehrreich war, wenn man über Werte nachdenkt. Der Wert gemeinsamer Verantwortung, Toleranz gegenüber anderen Meinungen und nicht zuletzt auch von Schule hat sich wohl nie in jüngerer Vergangenheit so erwiesen wie 2021.

Ich wünsche Ihnen und euch ein gesundes und weniger herausforderndes Jahr 2022!

Thomas Engelbrecht