05 Mrz

Brief des Schulleiters (5.3.21)

Liebe Schülerinnen und Schüler, sehr geehrte Eltern,

wir alle warten dieser Tage gespannt auf Entscheidungen, die das Leben an der Schule hoffentlich mindestens bis zu den Osterferien definieren: Welche Klassenstufen dürfen wann zurück in den Unterricht? Sollen alle zusammen kommen oder sollen wir Wechselunterricht, d. h. die Aufteilung der Klassen in zwei Gruppen organisieren? Dann kämen die beiden Gruppen immer getrennt voneinander, also ein Wechsel von Präsenzunterricht und Home- Schooling für jeden. Wird es Vorgaben zur Dauer und Struktur von Wechselunterricht geben? Fest steht, dass das in den einzelnen Landkreisen Schleswig-Holsteins vor allem von den jeweils zuständigen Gesundheitsämtern entschieden wird.

Dass in dieser Woche eine erste Entscheidung gefallen ist, möchte ich zum Anlass nehmen, euch und Ihnen den Stand der Dinge schulspezifisch zusammenzufassen:

Tatsächlich erwarten wir – mit sehr großer Freude – ab nächstem Montag die 5. und 6. Klassen zurück, und zwar zunächst im Wechselunterricht. Diese Ansage gilt allerdings nur für eine Woche, was danach, also ab dem 15.03. passieren soll, wird erst am 08.03. entschieden.

Das bedeutet leider, dass wir momentan über keine gesicherten Informationen weder zur Reihenfolge der Rückkehr weiterer Jahrgänge noch zur Struktur des Unterrichts verfügen. Mir ist bewusst, dass das für euch/Sie ein unbefriedigender Zustand ist – ein Gefühl, das Kollegium und Schulleitung teilen, auch wenn das wahrscheinlich kein Trost ist.

Zum Zustand des Home-Schoolings sind wir uns natürlich auch darüber im Klaren, dass es manchen immer schwerer fällt, sich zu motivieren, und dass die Sorgen vor entstehenden Lücken immer größer werden. Ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass das alles unbegründet ist. In Bezug auf die Motivation kann ich nur an alle appellieren, jeden Morgen

aufs Neue klarzustellen, dass die Möglichkeiten beschränkt, aber umso ernster zu nehmen sind. Wer dabei an seine Grenzen gerät, wende sich vertrauensvoll an die Klassenleitungen oder an die Schulsozialarbeiter Frau Albrecht und Herrn Linnenkohl. Diese sind bereits damit beschäftigt, in schwierigen Situationen zu unterstützen.

Dass die Tricks, die Teilnahme an SchulCommSy oder Videokonferenzen zu unterlaufen, vielfältig sind, ist bekannt. Leider werden sie in unserer Wahrnehmung auch verstärkt genutzt. Um in Erinnerung zu rufen, was zu beachten ist, gerade um das Instrument der Videokonferenzen nicht insgesamt zu gefährden, werden wir Sie als Eltern in der nächsten Woche noch einmal schriftlich darüber informieren und durch Unterschrift bestätigen lassen, was notwendigerweise zu beachten ist. Dabei bitten wir Sie alle um diese Unterschrift, da Videokonferenzen jenseits des Home-Schoolings auch zukünftig einen neuen und positiven Standard darstellen werden.

Der Sorge um Entstehung von Lücken kann ich zunächst insofern begegnen, als ich versichere, dass wir uns alle diese Gedanken machen – und das sicher nicht nur bis zum Beginn eines echten Regelbetriebs, sondern Monate und Jahre darüber hinaus, wenn es darum gehen wird, durch Anpassung der „Lehrpläne“ und Unterstützungsangebote Versäumtes zu kompensieren.

In der aktuellen Situation sind zwei Dinge wichtig:

  1. Die Anzahl der Klassenarbeiten in der Sek I wird reduziert, ein Mindestmaß von drei pro Fach wird je nach Anzahl der bereits geschriebenen angestrebt. Die Ansprüche werden mit Augenmaß gestellt werden, denn es ist selbstverständlich zu berücksichtigen, unter welchen eingeschränkten Bedingungen die Vorbereitungen stattgefunden haben. Das Gleiche gilt für die Klausuren in der Sekundarstufe II, die wir ja ab sofort in Präsenz an der Schule schreiben lassen dürfen und dies z. T. auch schon vor den Ferien planen. E- und Q1-Phase erhalten heute die endgültigen Pläne. Dass wir daran festhalten, Klassenarbeiten und Klausuren zu schreiben, beruht einerseits auf der Überzeugung, dass diese Art der schriftlichen Leistungserbringung für viele (mündlich eher zurückhaltende) Schüler*innen besonders wichtig ist, andererseits geht es gerade in der Sek II auch darum, bestimmte Formate oder Aufgabenarten, die später im Abitur wichtig sind, zu üben.
  2. Es ist zum 01.03.2021 durch Erlass geregelt, dass jede/r Schüler/in auf schriftlichen Antrag bis spätestens eine Woche vor den Zeugniskonferenzen das Schuljahr wiederholen kann, ohne dass das Konsequenzen für die eigentlich geltenden Grenzen zur Verweildauer bspw. in der Oberstufe hat. Ein Beratungsangebot der Schule ist verpflichtend und sollte im Interesse aller sicher auch geführt werden.

Zum Abschluss meiner Zusammenfassung möchte ich noch auf etwas perspektivisch sehr Erfreuliches zu sprechen kommen, nämlich die beabsichtigte und durch die Schulkonferenz schon abgesegnete Umstellung von SchulCommSy auf die Lernplattform „its-learning“, die vom Land vorgesehen und unterstützt wird. Alle, die sich mit dieser Plattform schon beschäftigt haben, sind ob der Möglichkeiten zumindest sehr angetan, wenn nicht begeistert. Dass sich bereits fast die Hälfte des Kollegiums der LG freiwillig und zusätzlich fortbilden lässt, belegt dies ebenso wie das Echo vieler Eltern, deren Kinder schon damit arbeiten. Es gibt nämlich schon mehrere „Modellklassen“, in denen die Plattform in den letzten Wochen eingeführt wurde. Beabsichtigt ist die komplette Umstellung zum nächsten Schuljahr. Denn auch, wenn wir dann hoffentlich keine Home-Schooling-Situation mehr haben, dürften uns die Vorzüge und Möglichkeiten einer Kommunikations- und Arbeitsplattform als Ergänzung zum „echten“ Unterricht als unverzichtbar ans Herz gewachsen sein.

Für diese Tage solltet ihr/sollten Sie wissen, dass durchaus weitere Kolleg*innen mit der neuen Plattform dazukommen könnten, was vermehrt für ein Nebeneinander zweier Systeme sorgen wird. Das kann in der Umstellungsphase kurzfristig sicher eine zusätzliche Belastung bedeuten, es hat sich aber erwiesen, dass die Schüler*innen bei einer angemessenen Einweisung sehr schnell gut zurechtkommen und dann von den Vorzügen profitieren. Sollte es zu Problemen kommen, melden Sie das bitte zurück, niemand soll durch diese Umstellung der Verzweiflung näher gebracht werden!

Mit diesem Begriff komme ich denn zum Schluss: Ich weiß, dass das Verzweifeln an diesen Zeiten jeden von uns mehr oder weniger begleitet. Fest steht aber, dass die Hoffnung auf Verbesserung realistisch ist und dass der gemeinsame und offene Umgang mit all den verzweiflungsträchtigen Dingen der beste Weg ist. Das haben wir im letzten Jahr insgesamt toll hinbekommen und das werden wir auch in der nächsten Zeit noch schaffen!

Danke für eure und Ihre Unterstützung!

Thomas Engelbrecht