18 Dez

Weihnachtsbrief des Schulleiters

Liebe Schülerinnen und Schüler, sehr geehrte Eltern!

„Es war ein Jahr, in dem sehr viel passiert ist: Neben all den wunderbaren Aufführungs- und Präsentationsmomenten, den Kultur- und Sportveranstaltungen von und für Schüler gab es eine große Zahl von Impulsen, Neuerungen und Erprobungen, die die Zukunft der Schule betreffen.“

So lautete der erste Absatz des Weihnachtsbriefes vor einem Jahr, in dem dann zunächst noch einmal die Projekttage zum Thema „Nachhaltigkeit“ gewürdigt wurden… Und dieses Jahr? Aufführungen? Veranstaltungen? Projekttage? Präsentationen? Nachhaltigkeit? Kabinettsystem?… Vokabeln aus einer fernen Vergangenheit, so scheint es, die durch andere, täglich dutzendfach verwendete ersetzt worden sind.

Aber nicht nur Begriffe sind ersetzt worden oder mehr oder weniger verschwunden, sondern ganze Kulturbereiche. Auf Schule bezogen, bedeutet dies die Beschränkung auf „Stoffvermittlung“, meist in frontaler Ausrichtung, ohne Gruppenarbeit, ohne Exkursionen, fast ohne außerunterrichtliche Aktivitäten: kein Chor mehr, kaum noch DSP, AGs, Projektarbeit, Sport… Auch wenn wir uns nach Kräften bemüht haben, Spielräume möglichst weit auszuschöpfen, so ist diese Art von Schule doch meilenweit davon entfernt, was wir als Standards entwickelt haben und gewohnt waren. Ich bin kein Freund des Schönredens, deshalb sage ich ganz ehrlich: Eigentlich ist das, was in diesem Jahr notgedrungen stattgefunden hat, Schule des 19. Jahrhunderts.

Dessen muss man sich bewusst sein, ohne es deshalb beim Klagen zu belassen. Denn drei Dinge sind aus den Erfahrungen der letzten Monate deutlich geworden: Erstens ist trotz fehlender Vorbereitung und Ausstattung für die Home-Schooling-Situation im Frühjahr enorm viel Anstrengung und Kreativität an den Tag gelegt worden, um diese Form von Unterricht zu entwickeln. Dafür gilt mein ausdrücklicher Dank auch an dieser Stelle dem Kollegium der LG!

Zweitens war spürbar, welch ungeheure Energie in Chören, AGs, Projekten, Theatergruppen usw. steckt, mit welchen Anstrengungen Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler versucht haben, diese Aspekte von Schule möglichst lange zu erhalten. Und diese Energie ist ja nicht verschwunden, sondern wartet nur darauf, sich wieder Bahn zu brechen und die Dinge, sobald es geht, mit neuem Leben zu erfüllen!

Und drittens ist in diesen Monaten jedem bewusst geworden, dass Schule und Unterricht nicht nur Anstrengung und vielleicht manchmal auch lästiges Übel bedeuten, sondern so viel mehr: Gemeinsamkeit, Treffpunkt, soziale Verantwortung – insgesamt einfach das Verständnis, dass man miteinander agiert und füreinander da ist. Insofern hat die Nähe, die aus der Not entstanden ist, eine andere Qualität erreicht, die uns auch über die noch schwierigen Wochen hinaus erhalten bleiben wird und das Leben an der LG positiv prägen wird. Davon bin ich fest überzeugt!

Was bleibt, ist, euch und Ihnen herzlichst zu danken: für das Verständnis im Umgang mit sich häufig und unvermittelt ändernden Rahmenbedingungen; für die Gelassenheit und euer auch unter den Masken spürbares Lächeln, liebe Schülerinnen und Schüler, das den Schulbetrieb trotz aller Einschränkungen begleitet hat; für die Unterstützung und den Zuspruch, mutig zu agieren; und vor allem für das Vertrauen darauf, dass notwendige Gratwanderungen zwar nie allen Sichtweisen gerecht werden konnten, aber im Sinne unseres Anspruchs an bestmögliche Schule angemessen waren!

Ich wünsche euch und Ihnen schöne Weihnachtstage mit möglichst vielen Momenten fröhlichen Miteinanders, aber auch der Besinnung auf das Glück und die Möglichkeiten, die wir in unruhigen Zeiten haben, sowie uns allen ein gesundes und unbeschwerteres Jahr 2021!

Thomas Engelbrecht