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Schulgeschichte

1. Bekannte Schüler der LG - eine Übersicht von Bruno Geßner-Tonner [292 KB]
2. Historischer Abriss

Historischer Abriss

Haupteingang 2008

Foto: K. Heyden


Die „Lauenburgische Gelehrtenschule“ ist eine der ältesten Schulen des Landes Schleswig-Holstein. Sie ist eine unmittelbare Nachfolgerin der alten Ratzeburger Domschule und kann auf eine fast 850-jährige historische Tradition zurückblicken. Das genaue Gründungsjahr der Domschule ist nicht bekannt, denn es liegen hierüber keine Urkunden oder Quellenberichte vor. Der Baubeginn des Ratzeburger Doms kann mit dem Jahr 1154 angesetzt werden. Die Errichtung der dazugehörigen Domschule dürfte um das Jahr 1160 erfolgt sein, als Papst Hadrian IV. kurz zuvor das Domkapitel der Prämonstratenser, die mit der Gründung des Bistums Ratzeburg in das Land gekommen waren, in Befolgung der Regel des heiligen Augustin zum Bau einer Klosterschule anhielt, wie es die Ordensregel bei Kirchen- und Klosterbauten zur Verpflichtung machte, um den geistlichen Nachwuchs heranzuziehen. Der Schulstandort dürfte bis zur Vollendung des Dombaus zunächst das Benediktinerkloster auf dem St. Georgsberg gewesen sein.
Im Jahr 1238 wird der Kanoniker Heinricus Scholasticus als erster urkundlich erwähnter Leiter der Domschule genannt. Für Jahrhunderte war die Domschule eine Bildungsstätte, in der junge Kleriker und die Söhne vornehmer Familien neben den klassischen „sieben freien Künsten“ Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik auch in der Fächern der „niederen Ausbildung“ Lesen, Schreiben, Rechnen, Gesang und Religion ausgebildet und erzogen wurden. Am Ende des 16. Jahrhunderts befand sich die Domschule im östlichen Kapitelhaus des Doms.
Nach einer wechselvollen Geschichte durch die Jahrhunderte wurde im Jahr 1701 das „Fürstentum Ratzeburg“ ein Bestandteil des neu gegründeten Herzogtums (seit 1815 Großherzogtum) Mecklenburg-Strelitz. Es begann ein Kampf um den Fortbestand der Ratzeburger Domschule, denn die neuen Landesherren hielten eine höhere Schule an den unmittelbaren Grenzen ihres Gebietes für unzweckmäßig, da dort weniger die eigenen Landeskinder, sondern hauptsächlich „Ausländer“ (d. h. Lauenburger und Ratzeburger) unterrichtet wurden. Als im Jahr 1814 die obersten Verwaltungsbehörden des Landes Ratzeburg in das mecklenburgische Schönberg verlegt wurden, der jahrhundertelangen Residenz der Ratzeburger Bischöfe, kam der neue Großherzog Georg den Wünschen seiner versetzten Beamten nach Verbesserung der Schulverhältnisse dort durch Aufhebung der Ratzeburger Domschule nach. Am 27. September 1845 schloss die alte Domschule, die fast 700 Jahre bestanden hatte, ihre Tore und wurde aufgelöst. Die Schülerzahlen betrugen in den letzten 40 Jahren der Domschule zwischen 50 und 100. Es wurde in vier Klassen unterrichtet. Der Unterrichtsstoff war jedoch auf acht Jahre berechnet, so dass ein mehrjähriger Besuch der einzelnen Klassen erforderlich war. Die Unterrichtsfächer waren Deutsch, Latein, Griechisch, Französisch, Religion, Geographie, Geschichte, Naturgeschichte, Mathematik, Schreiben und Singen. Die Abiturientenzahl im Zeitraum von 1803 bis 1845 betrug insgesamt 155.
Das Herzogtum Lauenburg betrieb die Neugründung einer „Gelehrtenschule“ auf lauenburgischem Boden in Ratzeburg. Federführend war der Lauenburgische Landes-Superintendant Catenhusen, der eine Petition an den damaligen Landesherren richtete, den dänischen König Christian VIII., der zugleich Herzog von Lauenburg war. In seiner Eingabe an die Kanzlei in Kopenhagen verwies er darauf, dass das Herzogtum mit seinen 45.000 Einwohnern und seiner politischen sowie kirchlichen Selbständigkeit eine höhere Schule dringend benötige. Diese Schulneugründung sei nach seinen Worten unentbehrlich, „...wenn anders nicht eine reiche Quelle der Intelligenz und Bildung für das bürgerliche Leben und Wesen im Lande versagen solle“ und er betonte, “Der Tag, an welchem die Domschule für immer geschlossen würde, wäre der Begräbnistag aller Humanität und Bildung in den weiteren Kreisen des Lauenburgischen Landes und Volkes“. Gleichfalls wandten sich 134 Bürger der Stadt Ratzeburg mit ihrem Schreiben vom 30. November 1843 an den dänischen König und baten ihn, dass er sich für den Fortbestand der Domschule beim Großherzog von Mecklenburg einsetzen möge, wobei auch der Vorschlag gemacht wurde, den Dom durch Tausch mit den Ländereien Dechow an das Herzogtum Ratzeburg abtreten zu lassen. Da diese Versuche zum Erhalt der Domschule ergebnislos blieben, genehmigte der dänische König die Errichtung eines neuen Schulgebäudes in Ratzeburg und er übernahm die Kosten für den Neubau in Höhe von 14.850 Talern, von denen die Stadt Ratzeburg lediglich 2.000 Taler beizusteuern hatte. Der erste Direktor der am 20. Oktober 1845 im großen Hörsaal der alten Domschule durch den Gouverneur Graf Rantzau neu gegründeten „Lauenburgischen Gelehrtenschule“ wurde Professor Christian Ludwig Enoch Zander aus Mecklenburg, der bereits zuvor 16 Jahre an der alten Domschule gewirkt hatte. Seine wertvolle, etwa 8.000 Bände umfassende Bibliothek bildet den Grundstock der heutigen Schulbibliothek insbesondere für den Bereich der Alten Sprachen, Philosophie, Geschichte und Geographie. Der Unterricht fand zunächst im Gebäude der alten Domschule mit 7 Lehrern und 90 Schülern in 5 Klassen statt, bis dann am 8. Oktober 1849 das neue in klassizistischer Bauweise errichtete Schulgebäude mit einem Kostenaufwand von 14.850 Talern auf der nördlichen „Demolierung“ in Ratzeburg bezogen werden konnte. Die geringste Schülerzahl lag im Jahr 1865 bei 68, die höchste 1875 nach Einführung einer Vorschule bei 195. Insgesamt haben in den ersten 50 Jahren 1.385 Schüler die Gelehrtenschule besucht, von denen 216 die Reifeprüfung bestanden.
Die Gelehrtenschule hätte sicherlich in Anlehnung an den Namen des dänischen Königs die Bezeichnung „Christianeum“ erhalten, wenn nicht im Gefolge der nationalstaatlichen Einigung Deutschlands und durch die Reichseinigungskriege Bismarcks die Loslösung Lauenburgs und Schleswig-Holsteins von Dänemark erfolgt wäre. Das Herzogtum Lauenburg wurde am 1. Juli 1876 als „Kreis Herzogtum Lauenburg“ der Provinz Schleswig-Holstein angegliedert. Damit endete die geistliche Schulaufsicht und die Gelehrtenschule wurde ein „Preußisches Gymnasium“, dessen oberste Instanz das Königliche Provinzial-Schulkollegium war. Am 1. Oktober 1882 wurde die neue Kreisordnung eingeführt; damit war auch ein Wechsel im Patronat der Schule verbunden. An die Stelle der „Ritter- und Landschaft“ trat der Kreistag, der die Schulträgerschaft bis in die unmittelbare Gegenwart ausübt. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass die zum Unterhalt der Gelehrtenschule erforderlichen Kosten aus dem Dominialvermögen des Kreises zu leisten seien. Da es üblich war, ein Gymnasium mit seinem Unterricht in den alten Sprachen Latein, Griechisch und Hebräisch als „Gelehrtenschule“ zu bezeichnen, wurde dieser Schulname beibehalten.
Im Jahre 1895 wurde ein Alumnat für auswärtige Schüler errichtet. Im Verlauf des 1. Weltkrieges starben vier Lehrer und 100 Schüler als Soldaten an der Front. 1922 wurden ein Aufbau und eine Angliederung einer „Deutschen Oberschule“ an die LG durchgeführt, wobei auch Mädchen der Zugang zu einer höheren Schulbildung eröffnet wurde. 1926 betrug die Gesamtschülerzahl 291, davon waren 73 Mädchen (ca. 25 %). Durch die nationalsozialistische Schulreform des Jahres 1937 musste die Gelehrtenschule ihren Namen in „Lauenburgische Landesschule“ ändern; aus dem neunjährigen humanistischen Gymnasium wurde eine vereinheitlichte achtjährige „Deutsche Oberschule“. Die alten Klassenbezeichnungen wie Sexta, Quinta und Quarta wurden abgeschafft und durch die Ziffern 1 – 8 ersetzt. In der Oberstufe ab Klasse 6 fand eine Gabelung in einen mathematisch-naturwissenschaftlichen und einen sprachlichen Zweig statt. Das Zensurensystem wurde von vier auf sechs Noten geändert. Die bis dahin üblichen Schülermützen mit ihren bunten Bändern wurden abgeschafft. In der Zeit von 1933 - 1945 war die Gelehrtenschule eine Schule „im“ Nationalsozialismus, nicht „des“ Nationalsozialismus.
Während des 2. Weltkrieges belegte das in Hamburg ausgebombte Wehrmachtsfürsorgeamt mehrere Klassenräume. Später bezog das Institut für Weltwirtschaft aus Kiel einzelne Klassenräume, so dass mehrere Klassen in die Stadtschule ausweichen mussten und wegen der Raumnot wurde der Schichtunterricht eingeführt. Die Oberstufenschüler wurden beim Reichsarbeitsdienst und als Flakhelfer eingesetzt. Ab April 1945 musste die Schule wegen der heftigen Kriegsereignisse geschlossen werden, denn wegen der schweren Luftangriffe, der Angst vor Tieffliegern und der verstärkten Kampfhandlungen schickten die besorgten Eltern die Mehrzahl der Kinder nicht mehr zum Schulunterricht. Zehntausende von Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten zogen auf ihrer dramatischen Flucht in den Westen durch Ratzeburg und wurden von hier weiter in das Landesinnere geschleust. Der Schulhof diente als Halteplatz für die Gespanne der Flüchtlinge, die Turnhalle als Notquartier. Das Schulgebäude wurde für ein Reservelazarett beschlagnahmt. Große Teile des Schulinventars wurden im Verlauf dieser dramatischen Ereignisse leider geplündert, so dass fast alle Einrichtungsgegenstände, aber auch wertvolle Dokumente zur Schulgeschichte verloren gegangen sind.
Erst am 20. Februar 1946 konnte die Gelehrtenschule unter ihrem alten Namen wiedereröffnet werden. Für 406 Schüler (davon 152 Mädchen) standen nur sieben Lehrkräfte zur Verfügung. In den Nachkriegsjahren konnte die Schule wegen des Kohlemangels nur unregelmäßig beheizt werden. Die Schüler besaßen keine Lehrbücher oder Hefte und meist auch kein Schreibzeug. Im Jahr 1948/49 besuchten 490 Schüler die Gelehrtenschule und es herrschte erneut eine drückende Raumnot. Im Jahr 1952/53 wurde erstmalig die Schülerzahl von 1.000 erreicht (davon 402 Mädchen), es standen aber nur 29 Klassen zur Verfügung. Der Lehrermangel war weiterhin gravierend. Die Schülerzahl war wegen des Flüchtlingsstroms auf über das Dreifache gegenüber der Vorkriegszeit angestiegen. Wegen akuter Baumängel (Sackungserscheinungen durch Fehler in der Statik) und der andauernden Raumnot beschloss der Kreistag im Jahr 1955 einen Neubau der Gelehrtenschule auf dem Gelände „Am Fuchswald“ im Stadtteil St. Georgsberg. Die Stadt Ratzeburg stellte den Bauplatz zur Verfügung und übernahm später das bisherige Schulgebäude als Rathaus. Am 11. Oktober 1960 wurde das neue Schulgebäude in Anwesenheit von Kultusminister Osterloh feierlich eingeweiht. 685 Schüler (davon 251 Mädchen) wurden in 28 Klassen von 42 Lehrern unterrichtet. Der Sportplatz der LG wurde im Jahr 1978 vollständig erneuert und zu einer modernen Sportplatzanlage und Wettkampfstätte umgebaut. 1981/82 wurde eine neue Dreifeldersporthalle gebaut. Die Einführung der Studienstufe und des Kurssystems Anfang der siebziger Jahre brachte tiefgreifende Änderungen für das traditionelle Gymnasium mit sich. Der „Schülerberg“ erreichte im Schuljahr 1981/82 mit 1.440 Schülern seinen Höhepunkt; das waren mehr, als in den ersten 50 Jahren des Bestehens die Schule besucht haben. Die Zahl der Mädchen übertrifft von nun an die der Jungen. Das Lehrerkollegium umfasste mehr als 100 Mitglieder. Im Jahr 1986 wurde mit 144 Schülern die Höchstzahl an Abiturienten erreicht. Die Raumnot war weiterhin erheblich, so dass im Jahr 1982 neben der Errichtung von 6 Behelfs-Klassenräumen in Pavillonbauweise weitere 10 Klassenräume für die Oberstufe in der nahegelegenen ehemaligen Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle hergerichtet werden mussten. Im Oktober 1995 feierte die Gelehrtenschule unter ihrem Schulleiter Jürgen Zschiesche ihr 150-jähriges Schuljubiläum seit der Neugründung auf Lauenburger Boden mit einem breit gefächerten und anspruchsvollem Festprogramm.
Am 21.12.1992 entschied der Kreisausschuss des Kreises Herzogtum Lauenburg, die Verwaltung zu beauftragen, „Verhandlungen mit den Städten Ratzeburg und Mölln hinsichtlich der Übertragung der Schulträgerschaft aufzunehmen“. Der Wunsch des Kreistages, die Gelehrtenschule aus seiner jahrzehntelangen Schulträgerschaft zu entlassen, führte mit der Errichtung eines zunächst drei-, dann vierzügigen Möllner Gymnasiums zu Beginn des Schuljahres 1999/2000 zu einer Schulteilung der Gelehrtenschule. Die Stadtvertreter der Stadt Ratzeburg nahmen in ihrer Sitzung vom 29. April 2002 das Angebot des Kreises zunächst an, die Schulträgerschaft für die Gelehrtenschule mit Wirkung vom 1. Januar 2003 zu übernehmen. Das damalige Ziel der Stadt Ratzeburg, auf dem Fuchswaldgelände durch die Verlagerung der Ernst-Barlach-Realschule in Einheit mit der Gelehrtenschule ein Schulzentrum zu errichten, scheiterte jedoch daran, dass die Mehrheit der Ratzeburger Stadtvertreter sich wegen der äußerst prekären finanziellen Haushaltssituation nicht in der Lage sah, die umfangreichen Lasten der Schulträgerschaft zu übernehmen und die Zukunftsfähigkeit des Schulzentrums zu garantieren.
Unter Berufung auf das im Frühjahr 2007 geänderte Schulgesetz des Landes Schleswig-Holstein beschloss der Kreistag des Kreises Herzogtum Lauenburg, seine seit dem Jahr 1882 bestehende Schulträgerschaft für die Gelehrtenschule mit Wirkung zum 1. August 2009 an die Stadt Ratzeburg zu übertragen. [...]

H. Fischer

Ergänzung

Grundsteinsetzung

Foto: K. Heyden

2009-2010 Abriß des Altbaus und
Neubau durch die Firma Züblin
31. März 2009: Grundsteinsetzung für den Neubau
November 2010: Einweihung des Neubaus